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Internationaler Friedenspreis Dresden-Preis

Preisträgerin 2021: Dr. Cristina Marin Campos (Spanien)

Fotos: Juan Carlos Rojas

„Ich wollte die Situation für die Kranken etwas menschlicher machen“
Wegen Pandemie: Nur Online-Präsentation möglich
Hanna Schygulla liest aus Briefen an Covid-Patienten
Auszug aus einem Brief an einem Covid-Patienten:

Die 32jährige Cristina Marin Campos, Ärztin am Hospital Universitario de La Princesa in Madrid, hat weit mehr getan als ihre ärztliche Pflicht.  Als die erste Pandemie-Welle im Frühjahr 2020 Spanien besonders hart getroffen hat,  war auch ihr Krankenhaus überfüllt mit Covid-19-Patienten.   Die Ärztin realisierte schnell, dass die Kranken auf den von der Außenwelt abgeschotteten Stationen besonders unter der Isolation litten. Noch im März rief sie deshalb über die sozialen Medien die spanische Bevölkerung auf, Briefe an die Patientinnen und Patienten zu schicken. „Ich wollte die Situation für die Kranken etwas menschlicher machen, ihnen Ermutigung geben“, erklärt sie ihre Aktion.

Allerdings hatte sie nicht mit einer derart großen  Resonanz  gerechnet. Bereits am ersten Tag gingen 35 000 Briefe ein. Sie kamen aus allen Schichten der spanischen Bevölkerung. Viele Kinder schrieben, ebenso Bewohnerinnen und  Bewohner von Altenheimen. Selbst Gefängnisinsassen beteiligten sich an der Aktion. Und alle Schreiben hatten eine ähnliche Botschaft: „Haltet durch, ihr seid nicht allein.“

Gerhart Baum, Ehrenmitglied des   Vereins „Friends of Dresden Deutschland“ und ehemaliger Bundesinnenminister würdigt das Engagement der jungen Ärztin:

„In Zeiten wie diesen brauchen wir solche menschlichen Gesten wie die von Cristina Marin Campos. Sie machen uns Mut. Und es ist beeindruckend, wie ein von der Pandemie und auch den Maßnahmen dagegen  viel stärker als Deutschland betroffenes Land wie Spanien Solidarität und Mitgefühl zeigt. Angesichts dessen  muss man es als besonders beschämend empfinden, dass es nirgends in der Welt so viele Demonstrationen gegen die Corona-Maßnahmen gibt wie in Deutschland. Die es genau  an diesem vermissen lassen: Solidarität und Mitgefühl.“

Beate Spiegel, Geschäftsführerin der Klaus Tschira Stiftung ergänzt: „Die Corona-Krise hat uns gezeigt, wie wichtig das Engagement Einzelner für den Zusammenhalt der Gesellschaft ist. Neben wissenschaftlicher Forschung und medizinischer Kunst ist einfach das menschliche Mitgefühl ein wesentlicher Faktor der Heilung. Frau Marin Campos hat mit einer spontanen Idee für Hoffnung bei den Leidtragenden der Pandemie gesorgt und kann ein Vorbild für uns alle sein, die wir uns fragen sollten, wie wir Anderen in diesen Zeiten eine Freude machen können.  Der Preis für sie ist auch ein Ausdruck der europäischen Solidarität in der Corona-Krise.“

Seit 2010 wird der Dresden-Preis in einer Gemeinschaftsveranstaltung mit der Semperoper in dem Dresdner Opernhaus verliehen. Wegen der Corona-Pandemie wird das 2021 ein erstes Mal nicht möglich sein. Das Haus ist wie alle anderen sächsischen Theater bis zum 28. Februar 2021 geschlossen. Für den 21. Februar war die Verleihung des Dresden-Preises geplant. Stattdessen wird es an diesem Datum – auch in Zusammenarbeit mit der Semperoper – eine Online-Präsentation der Preisverleihung geben.

Hätte Hanna Schygulla mit „Die Ehe der Maria Braun“ nur diesen einen Film gedreht, wäre sie allein schon damit zur Legende geworden. Aber natürlich hat die Schauspielerin  und Sängerin viel mehr getan. Neben Fassbinder dreht sie unter anderem mit Andrzej Wajda, Wim Wenders und Jean-Luc Godard.  Unvergesslich ist sie als Willie Butterberg im Film „Lilly Marleen“.  Für die Rolle der Susanne Staub in Fatin Akins „Auf der anderen Seite“ gewann sie 2008 als erste deutsche Schauspielerin  den renommierten US-amerikanischen Kritikerpreis  National Society of Film Critics Award.

Im Rahmen der Verleihung des Dresden-Preises 2021 wird Hanna Schygulla aus Briefen lesen, die Spanier an in Krankenhäusern isolierte  Covid-Patienten geschickt haben.

Enrique Ordonez schreibt:

Wenn all dies überhaupt einen Nutzen hat, dann wohl nur, um zu erkennen, dass wir nicht ohne einander sein können. Nichts ergibt Sinn, wenn wir nicht zusammen sein können. Was wir zweifellos am meisten vermissen, ist, uns von Angesicht zu Angesicht zu begegnen, zusammen zu sein, nah beieinander, uns zu spüren.

Mich hat diese Zeit aber auch in der Annahme bestärkt, dass die Menschheit gut ist. Dass die gewaltige Mehrheit es wert ist. Dass das Böse zwar immer lauter ist, aber doch nur einen winzigen Prozentsatz ausmacht.

Wir brauchen Euch alle, ob alt, jung, Frauen, Männer, Kinder, Jugendliche, Ärzte, Krankenschwestern, Krankenpfleger, Hausmeister, Putzfrauen, Köche… Euch alle! Na los! Es sollen endlich alle geheilt sein! Wir müssen zusammen sein! Lächle! Sei stark! Und stehe so schnell wie möglich wieder auf und genieße das Leben in vollen Zügen! Ich möchte Euch alle sehen und kennenlernen! Ich brauche Euch!