Preisträger

Edward Snowden hielt per Skype im Februar 2016 eine Laudatio auf Daniel Ellsberg

Preisträger

Preisträger Michail Gorbatschow mit Hans-Dietrich Genscher

Preisträger 2010
Nobelpreisträger Michail Gorbatschow

Aus der Laudatio (Gerhart Baum):

Die Welt hat Ihnen, Herr Gorbatschow, viel zu verdanken. Und Sie haben dafür viele Ehrungen und Preise erhalten. Der Friedensnobelpreis sei hier nur stellvertretend erwähnt. Auch wir Deutsche danken Ihnen für Ihren Mut bei der Überwindung der Teilung der Welt in Ost und West. Sie waren für viele Menschen in der Endphase der DDR ein Hoffnungsträger – auch hier in Dresden, als meine Freunde aus der Friedensbewegung sich mit einem Appell an Sie gewandt hatten. Sie ermutigten die Menschen, ihre Angst zu überwinden und in einer friedlichen Revolution die Freiheit zu erkämpfen. Es war die einzige Freiheitsrevolution in unserer Geschichte, die erfolgreich war.

Sie Herr Gorbatschow sind in all den Jahren Ihren Überzeugungen treu geblieben. Wir sind hier versammelt, um Sie dafür zu ehren.

Wir Dresdner sind Ihnen zu großem Dank verpflichtet.

Preisträger Daniel Barenboim

Preisträger 2011
Daniel Barenboim, Dirigent und Pianist

Aus der Laudatio (Richard von Weizsäcker):

Sein eindrucksvollster, größter Schritt war die Gründung des West-Eastern Divan Orchestra. Es war die entscheidende Einladung für junge Israelis und Palästinenser, gemeinsam die Musik zu erleben und zu erlernen, miteinander zu spielen und sich dabei tiefer aufeinander einzulassen, im Austausch von Erfahrungen, im Versuch, das Schicksal des anderen besser zu erkennen, sich gegenseitig nichts zu ersparen und dabei allmählich mitzuempfinden, schrittweise nachzuerleben, wie leidvoll, wie unerträglich es ist, was beide Seiten einander angetan haben und abverlangen.

Wir dürfen nicht warten, sagt Daniel Barenboim. Das ist keine Option. Der Weg der beiden Völker ist miteinander verzahnt. Fortschritte zum Frieden liegen allein bei ihnen selbst, Schritte nach vorn, durch die Jungen!

Die Erinnerungen an die tiefe, schwere Trauer des 13. Februar wird immer lebendig bleiben in Dresden und bei uns allen. Umso mehr wird sie die Kraft der jungen Menschen herausfordern, fördern, voranzugehen zum Frieden, dem Beispiel zu folgen, das uns Daniel Barenboim gibt.

Preisträger James Nachtwey

Preisträger 2012
James Nachtwey, Kriegsfotograf

Aus der Laudatio (Wim Wenders):

Nachtwey gelingt es, für beide Seiten der Menschheit zu sehen, für das Opfer wie für den Betrachter, weil er nicht nur GEGEN den Krieg arbeitet, gegen die Willkür, die Ungerechtigkeit, die Ungleichheit, sondern vor allem FÜR die Menschen, denen er im Krieg und im Leiten begegnet, und FÜR uns.

Ich weiß, es ist ein irgendwie altertümliches Wort, und ganz bestimmt auch schwer zu übersetzen. Dieser Mann ist ein Menschen-Freund, und deswegen ein Kriegs-Feind.

James Nachtwey will uns zwingen, hinzuschauen, und bietet den Opfern an, ihr Augenzeuge zu werden, der zu ihren Gunsten aussagen, und damit den Krieg und seine Propaganda Lügen strafen will.

James Nachtwey hat nie aufgehört zu glauben, dass seine Arbeit einen Sinn macht und nie aufgehört, zu vertrauen, dass die Bilder dann ihre größte Macht entfalten, wenn die Haltung dahinter ein ungebrochenes Vertrauen in die Menschheit ist, und in ihre Fähigkeit mitzuleiden.

Sehen sie in ihm einen Mann des Friedens, einen, der aus der Sehnsucht nach Frieden heraus in den Krieg zieht und sich aussetzt… um Frieden zu stiften, aus grenzenlosem Hass auf den Krieg und aus grenzenloser Liebe zu den Menschen.

Wer hätte diesen Preis in dieser Stadt, in Dresden, mehr verdient, als James Nachtwey.

Preisträger Stanislaw Petrow

Preisträger 2013
Stanislaw Petrow, Der Mann, der die Welt rettete

Aus der Laudatio (Claus Kleber):

Gott Lob saß an diesem denkwürdigen Tag im September 1983 auf dem Stuhl des verantwortlichen Offiziers im Kontrollzentrum außerhalb von Moskau ein Mensch mit Hirn und mit Herz und mit Mut und mit einem ordentlichen Schuss russischer Volksweisheiten. Sprichwörtern, die zum Beispiel sagen, was ein weiser Mann tut, wenn alle Hähne anfangen zu krähen. Dann denkt er nämlich noch mal nach. Petrow handelte überlegt und vernünftig.

Stanislaw Petrow hat seinem eigenen Urteil als Menschen getraut. Er hat Fehlalarm gesagt, und die Atomare-Vernichtungmaschine kam gar nicht erst in Gang.

Wenn Stanislaw Petrow seinen Eindruck damals nach oben gegeben hätte, dann wäre dieser Eindruck bei einem greisen misstrauischen alten Mann gelandet. Dem Generalsekretär, der geprägt war von Russlands Erfahrungen mit Überraschungsangriffen, zuletzt dem deutschen Überraschungsangriff auf Russland im Juni 1941. Dann hätte Juri Andropow entscheiden müssen. Bei Stanislaw Petrow war die Welt in besseren Händen.

Preisträger Emmanuel Jal

Preisträger 2014
Emmanuel Jal, ehemaliger Kindersoldat und heutiger Musiker für den Frieden

Aus der Laudatio (Fatou Bensouda):

Emmanuel Jal is an inspiration, to our court. One only needs to take a glance at his life story to be moved by the strength of the human spirit and the will to survive, struggle and emerge triumphant in the face of unmanageable anguish; by the ability to shine through adversity to be a force of good in the world.”

As a former child soldier, Emmanuel chose hope over despair; empathy over indifference, and helping others over succumbing to the evils and traumas of war. In tragedy, he saw opportunity. In music he found solace and a universal language through which to spread a message of peace, tolerance, justice and human rights; the message that there’s no place for children in war and hostilities.”

Preisträger HRH Herzog von Kent

Preisträger 2015
HRH Herzog von Kent

Aus der Rede des Herzogs:

Meine Damen und Herren, Jahrestage zum Zweiten Weltkrieg bieten uns heute Anlässe, um gemeinsam zu gedenken: um innezuhalten und über die Schrecken des Krieges nachzudenken, um all jene zu betrauern, die ihr Leben verloren oder geopfert haben, und um unsere Solidarität mit den Überlebenden deutlich zu machen.

Dresden wie auch Coventry erlitten entsetzliche, tragische Verluste. Die Bombenangriffe auf britische und deutsche Städte verursachten Zerstörung in ungeheurem Ausmaß. Der Krieg fügte unseren Nationen tiefe Wunden zu. Gestern sind wir zusammengekommen, um an eines dieser tragischen Ereignisse zu erinnern, die Zerstörung Dresdens durch den Feuersturm am 13. Februar 1945.

Die Zerstörung der schönen Stadt Dresden war eine entsetzliche Folge des Bemühens, Deutschland von der Nazi-Diktatur zu befreien.

Die Beziehung zwischen Dresden und Coventry, seit 1959 eine Städtepartnerschaft, ist ein Paradebeispiel für Versöhnung.

Die wiederaufgebaute Frauenkirche ist ein bleibendes Symbol für die aus der Asche geborene britisch-deutsche Freundschaft. Wir müssen die Erinnerung wachhalten und gleichzeitig den Blick nach vorn richten, um der jüngeren Generation die eindringliche Botschaft zu vermitteln: nie wieder.

Preisträger Daniel Ellsberg

Preisträger 2016
Daniel Ellsberg, Urvater der Whistleblower

Aus der Laudatio (Edward Snowden):

Ich denke, es ist keine Übertreibung, zu sagen, dass es ohne Daniel Ellsberg keinen Edward Snowden geben würde.

Wenn ich an die Lektionen von Daniel Ellsberg denke, ist es insbesondere der einzelne Moment des Mutes, der sein Leben, und in vielfacher Weise eine Botschaft für die Gesellschaft, von welcher Menschen über verschiedenen Generationen und Grenzen hinaus lernten und fortwährend lernen werden, wenn es ihnen erlaubt ist, verändert hat.

Er setzt sich seit Jahrzehnten ein. Riskiert seine eigene Freiheit, wieder und wieder. Angesichts Inhaftierung, Kritik, dem Verlust seines Rufs, den er sich so hart erarbeitete, um die Regierung eines unnötigen Militarismus zu beschuldigen.

Daniel Ellsbergs Leben ist eine Auseinandersetzung, die sagt: Krieg ist nicht natürlich, Krieg ist keine menschliche Zwangsläufigkeit. Und, wenn wir Zugriff auf die Wahrheit haben, so können wir alle in Frieden leben.

Daniel Ellsberg steht seit Jahrzehnten in der Öffentlichkeit, er hat sich, im Namen der Öffentlichkeit, immer und immer wieder aufgegeben, im Namen des Normalbürgers, der Gesellschaft, im Namen eines jeden, außer seiner selbst. Und dies, finde ich, sehr überzeugend. Auch heute sage ich immer noch: Ich glaube nicht an Helden, aber ich glaube an Daniel Ellsberg. Und das werde ich immer tun.

Preisträger Domenico Lucano

Preisträger 2017
Domenico Lucano, Bürgermeister des Flüchtlingsdorfes  Riace

Aus der Laudatio (Martin Roth):

Dass dieser Preis der Menschlichkeit ausgerechnet in Dresden vergeben wird,  ist wunderbar, das richtige Signal zur richtigen Zeit.

Menschlichkeit und Courage wird überall benötigt. Domenico Lucano ist ein Beispiel für uns alle, ein Rollenmodell, jenseits von politischer Überzeugung, Hautfarbe, Konfession und Ländergrenzen. Christus kam doch weiter als nur bis Eboli, um hier das berühmte autobiographische Buch von Carlo Levi zu zitieren

Und dass Dresden, Mahnmal für Vertreibung, Flucht und Zerstörung, dass hier in der Semperoper dieser Preis vergeben wird, ist nicht nur ein symbolischer Akt, sondern ein Zeugnis aktiven Engagements für die Menschlichkeit. Ich danke allen Organisatoren und Ideengebern dafür.

Domenico Lucano ist  ein herausragender und in jeglichen Zusammenhängen würdiger Träger des Friedenspreises.  Ihm -und mir als Laudator- ist es wichtig zu betonen, dass das gesamte Riace, alle Einwohner, egal wo auch immer sie herkommen, den Preis verdient haben. Diese Gemeinde zeigt, was das Engagement eines Einzelnen – und das Zusammenhalten Vieler – bewirken kann. Und vielleicht wird hier deutlich, was man von Zusammenarbeit, im Gegensatz zur Abschottung, profitiert. Ohne die Leute von Riace hätte ein Bürgermeister noch so brillante Ideen haben können, es braucht die Gemeinschaft der Menschen dazu, die Willkommensgesten zu leben, nicht nur als schöne philosophische Idee, sondern im Alltag, jeden Tag, in jeder Stunde und auch in Konfliktsituationen.

Dr. Tommie Smith

Preisträger 2018 Dr. Tommie Smith

 

Mit der Faust im schwarzen Handschuh gegen Rassismus

Als Tommie Smith auf dem Podest steht, den Kopf gesenkt, den rechten Arm nach oben gestreckt, die Faust im schwarzen Handschuh geballt, wartet er auf einen Ton. Einen lauten, wie er ihn eine Stunde zuvor hörte, als er im Startblock hockte. Er wartet auf den Schuss. „Ja, ich fürchtete, erschossen zu werden, gleich da, auf dem Siegerpodest“, sagt der Olympiasieger von Mexiko fast 50 Jahre später.

Nachdem Tommie Smith bei den Olympischen Spielen 1968 in Mexiko den 200-Meter-Lauf gewonnen hatte, nutzte er   die Weltbühne, um gemeinsam mit dem Drittplatzierten John Carlos auf dem Siegerpodest mit der erhobenen Faust im schwarzen Handschuh gegen Rassismus zu protestieren und für Menschenrechte einzutreten. Es war die größte öffentliche politische Geste in der neueren Geschichte des Sports. Das Foto davon wurde berühmt. Danach verlor Smith alles. Der damals 24jährige war einer der besten Sprinter aller Zeiten und hatte zwölf Weltrekorde gebrochen. Nach dem Protest durfte er nie wieder bei einem Wettkampf antreten. Er erhielt Morddrohungen und lange keinen Job mehr. Später wurde Smith Leichtathletiktrainer, beendete sein Studium und lehrte Soziologie am Santa Monica College. Er wurde in die Hall of Fame des nationalen Leichtathletikverbandes aufgenommen. Gleich zwei Mal lud ihn Barack Obama während seiner Amtszeit ins Weiße Haus ein.

2018 jährte sich die Protestaktion zum 50. Mal. Vom Geächteten wurde Tommie Smith zum Helden und zur Legende. Aber die Aktion 1968 ist auch so aktuell wie selten zuvor. Denn Tommie Smith ist Vorbild für NFL-Spieler wie Colin Kaepernick, die gegenwärtig gegen Rassismus kämpfen.

Kim Phuc Phan Thi

Preisträgerin 2019

Kim Phuc Phan Thi, das „Napalm-Girl“

Aus der Laudatio (James Nachtwey)

Ohne ein Foto hätte sich Kim Phucs persönliche Qualen der Millionen anderer Vietnamesen angeschlossen, deren Leiden dem Rest der Welt unbekannt waren. Die Tatsache, dass der Moment fotografiert wurde (von dem jungen vietnamesischen Fotografen Nick Ut), machte den Unterschied aus. Der Schmerz und das Leiden eines neunjährigen Mädchens war mächtiger und wahrhaftiger als all die politische Wendung, die von Amerikas „besten und intelligentesten“ erfunden wurde, um einen ungerechten Krieg zu rechtfertigen. Das Foto tat nichts, um ihre eigene Tortur zu mildern, und in den kommenden Jahren verursachte es tatsächlich ihre persönliche Notlage. Aber es hatte einen erheblichen Einfluss auf den Verlauf der Ereignisse. Vielleicht mehr als jedes andere Einzelbild, von den Tausenden von Bildern, die während des Krieges gemacht wurden, hatte es ein überproportionales Gewicht bei der Schaffung der kritischen Masse im öffentlichen Bewusstsein, die dazu beitrug, den Krieg zu beenden. Und es steht heute als Anklage, nicht nur für den Vietnamkrieg, sondern für alle Kriege.

Es ist schwer vorstellbar, wie schwierig es für Kim Phuc gewesen sein muss, neben der dauerhaften körperlichen Qual, die Ironie und Ungerechtigkeit des Geschehens zu meistern und eine Perspektive zu finden, die ihr Gelassenheit verleiht. Wenn ihr Leben zu einem lebendigen Symbol des Krieges geworden war, traf sie die Entscheidung, es in ein lebendiges Symbol des Friedens zu verwandeln. Sie würde es sich nicht erlauben, dass ihre Erfahrung sie verbittert und die Feindseligkeit aufrechterhält. Stattdessen entschied sie sich, den Hass loszulassen – um zu verstehen, dass sie, obwohl es nie Gerechtigkeit geben kann, in ihrem Herzen Vergebung finden und die Tragödie mit Liebe lösen würde.

Dann ging sie weiter und beschloss, das Gelernte an andere weiterzugeben, indem sie Botschafterin für Frieden und Versöhnung bei den Vereinten Nationen wurde. Darüber hinaus gründete sie eine Stiftung zur Betreuung von kriegsgeschädigten Kindern.

Eine so große Seele wie Kim Phuc unter uns zu haben, ist ein solches Geschenk, und ich weiß, dass ich für alle hier spreche, wenn ich unsere Dankbarkeit und Bewunderung ausdrücke.